Schoneinmal etwas von Sekten gehört?
Die unbeschwerten Hare Krishna bei Sang und Tanz in der Stadtmitte, die eifrigen Helferlein L. Ron Hubbards beim ergattern schwacher Seelen für ihre Sciencefictionkirche Scientology oder die Zeugen Jehovas, morgens, halb zehn in Deutschland, bei ihrer Exegese der etwas anderen Art.
Ernst genommen werden sie alle von den Wenigsten, dabei stellen sie doch eine ganz essentielle Randgruppe in Staaten mit freier Religionsausübung dar. Vielfältigkeit ist die Devise.
Beschäftigt man sich mit ihnen genauer, dann fallen einem sogar gar exquisite Details entgegen:
- Hochschulabschlüsse für die Zeugen? – Frevel
Hochschulen sind eine Brutstätte der Gesetzeslosigkeit und der Unmoral. Bildungsfragen sind mit Eltern, den Versammlungsältesten und Kreisaufsehern zu besprechen – kurz: Gleichgesinnten.
- Essen für die Hare Krishna? – Nein, schlecht fürs Karma
Außer man nenne es nicht Essen, sondern Krishna Prasadam und weihe es aufrichtig Krishna, dann passt das schon – irgendwie
- Und allen vorweg – ganz klar – Scientology.
Xenu, der intergalaktische Herrscher, der alle Thetans (so etwas wie Ur-Seelen) entführt, misshandelt und in Menschen gesetzt hat.
Nun wissen wir endlich, warum zur Hölle wir so unfassbar unglücklich sind: Unseren Thetans geht’s schlecht aijaijaij
Das ist selbstverständlich nur ein winziges Stück der Gesamtheit all dieser schmackhaften Kleinigkeiten. Falls ihr mehr über die verrückten Universen der jeweiligen Sekten erfahren möchtet, dann empfehle ich euch eine Fußgängerzone eurer Wahl. Sie stehen gerne Rede und Antwort – vor allem Scientologen: fragt sie nach Xenu, sie werden es euch danken. Aber wir werden nach und nach immer mal wieder eine Sekte durchleuchten. Das macht wirklich nahezu heiden Spaß. Bleibt uns also treu.
Die Frage, die sich nun stellt:
Warum ist dieser Schwachsinn so populär?
In einer weiteren Bierlaune Niklases und mir entstand die Prägung des Wortes: WoW-Effekt
WoW ist hierbei die Abkürzung für das Massively-Multiplayer-Online-Roleplaying-Game World of Warcraft. Man nenne es schon ein Paralleluniversum, in dem täglich abertausende von Spielern ihr echtes Leben zerstören !Hier schon die ersten Ähnlichkeiten mit Sekten!
Der Erfolg dieses Götzens? - Aufstieg
Mit praktisch keinen Fähigkeiten – bestenfalls ein paar schnellen Reaktionen – steigt man Tag für Tag sogenannte Levels auf, indem man hier und da dies und jenes tötet oder einsammelt, welche seine Spielfigur – die ein Spieler sehr schnell mit sich identifiziert - stärker, schneller, besser machen und vor allem: anderen überlegen.
„Ich bin besser als jemand und werde anerkannt – das gabs ja noch nie!“
(Ein Zitat eines zukünftigen Dauerzockers)
Der Zusammenhang nun:
In den populärsten Sekten, wie die oben genannten, ist es ebenfalls möglich, ohne viele Fähigkeiten und allerlei Sisyphos-Arbeiten im Rang und somit in der Anerkennung zu steigen.
Als Paradebeispiel dürfen die lieben Scientologen nochmals herhalten:
Die acht Operating-Thetan-Stufen:
Ziel: ein frei operierender Thetan
Metodik: So viele Auditingsitzungen wie möglich halten und ordentlich Geld in das große Ganze stecken.
Bei einer Auditingsitzung bekommt man einen sogenannten E-Meter in die Hand, der den Zustand des Thetans misst, während man ein Therapiegespräch mit einem Auditer – also einem Sektenfuzi – hält. Die E-Meter Ergebnisse werden besser, je mehr man mit der Sekte zu tun hat und ihre Regeln befolgt. Da gibt es, wie schon gesagt, die Auditingsitzungen, dann noch die heilige Sauna, lecker Purification Rundown – was so viel ist wie ein Scientologischer Fitnessplan – und das hauseigene Drogenprogramm Narconon. Und ratet mal? – Es kostet alles eine dicke Stange Kohle. Anscheinend ist Geld ein wahres Seelenfutter für den inneren Schweinehund eines Thetans. Nach und nach steigt dann der Thetan in den Stufen auf.
Benötigte Fähigkeiten: keine – außer der Zahlungsfähigkeit
Das E-Meter ist ein interessantes Gerät. Ausgesprochen Elektropsychometer genannt, misst es mit einer Wheatstoneschen Brückenschaltung den Widerstand von der einen Hand zur anderen und somit, wie stark sich euer Thetan in eurem Körper quer stellt؟ Selbstverständlich ist dieses Gerät hundsteuer und wurde liebevoll von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags als wissenschaftlich wertlos gekennzeichnet.
Ebenfalls nett sind da auch die Hare Krishna:
1728-maliges Chanten (also stures aufsagen) des „Hare-Krishna-Maha-Mantras“ täglich.
- Hare Krishna, Hare Krishna,
- Krishna Krishna, Hare Hare,
- Hare Rama, Hare Rama,
- Rama Rama, Hare Hare.
Ein, aus lyrischer Sicht, unverzichtbares Werk. Es regt uns stets aufs Neue zu beflügelnden Gedanken an؟
Ziel ist hier der Aufstieg zu höherer Glückseligkeit, ohne Auseinandersetzung mit dem echten Leben und ohne tatsächliche Fähigkeiten zu gebrauchen. Da ist jedem, der fest genug glaubt, ein trügerisches Ergebnis vergönnt.
„Ganz klar: Wie in WoW!“, sagte Niklas und ich lachte und kuckte weiter tief in meinen Krug.
- Ich hoffe, wir konnten euren Wortschatz um das entzückende Wort WoW-Effekt erweitern und es fest in eurem täglichen Jargon verankern.
- Hare Hare
- eure Propheten Nik und Davy
Sektenkatalog aus dem 17. Jhd.
"Welche darfs denn sein?"


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen